|
|
Die Angst ist eine Kraft - wie Eltern den Kindern beim Umgang mit dem Krieg helfen können
 Kinder und Erwachsene reagieren unterschiedlich auf das, was Sie im TV über Krieg oder über Kriegsgefahren sehen. Angst, Verunsicherung, Wut auf der einen Seite, Ungewissheit und Zukunftsangst, Zweifel und Sorgen. Alle diese Reaktionen und Gefühle sind verständlich.
Die Angst ist eine Kraft. Das Gefühl der Angst ist lebensnotwendig, weil wir uns dadurch vor Gefahren schützen können. Würden wir keine Angst mehr kennen, wären wir den Gefahren schutzlos ausgliefert. Es ist wichtig diese positive Funktion der Angst wahrzunehmen. Deshalb wäre es nicht gut, wenn Eltern ihren Kindern einreden würden, man brauche keine Angst zu haben.
Es hilft aber auch nicht vor Angst zu erstarren. Sprechen Sie miteinander über Gefühle von Angst. Allerdings ist es wichtig dies mit den Kindern in einer altersgemäßen Form zu tun. Bedenken Sie bitte, dass ein Kind nicht wissen kann, wie weit z.B. der Irak entfernt ist. Durch die Fernsehbilder entsteht der Eindruck, dass alles sich direkt vor der eigenen Haustür abspielt, oder sogar im eigenen Wohnzimmer. Der Fernsehbildschirm ähnelt in der Art der Berichterstattung mitunter einem Radarschirm. Man hat das Gefühl, informiert zu werden, ohne eigentlich wirklich etwas erkennen zu können. Die gewohnte Alltagswahrnehmung reicht nicht mehr aus. Aufgrund der Berichterstattung gibt es neue Begriffe, die sonst im Sprachbewußtsein nicht vorkommen (oder sprechen Sie im Alltag Wort wie "B 52 Bomber" oder "Patroit-Raketen" aus?). Kinder brauchen Erklärungen dazu, die aber nicht in erster Linie technische Erklärungen sind. Kinder versuchen sich auszumalen, was passiert.
Sieht also Ihr Kind im Fernsehen oder in Zeitungen Nachrichten über Kriegshandlungen in anderen Ländern, so erklären Sie ihm so gut es geht, dass etwas Schlimmes geschieht, aber dass dies das Leben des Kindes und der Familie nicht unmittelbar bedroht. Kinder schätzen Entfernungen anders ein als Erwachsene. Kleine Kinder jedenfalls können den Unterschied zwischen einer entfernten deutschen Großstadt und einer Stadt wie z.B. Bagdad nicht ermessen.
Kriegsdarstellungen in den Medien führen leicht zu Verallgemeinerungen. "Die Welt ist bedroht" oder "Die Welt ist schlecht". Versuchen Sie Ihren Kindern nahe zu bringen, dass es Menschen sind, die gut und schlecht in einer Person sind. Es gibt sie nicht, die "nur guten Menschen" oder die "nur schlechten Menschen". Schildern Sie den Kindern auch, dass es viele Menschen gibt, die sich für den Frieden einsetzen. Wenn Ihr Kind danach fragt, so sollten Sie in verständlicher Weise deutlich machen, dass in einem Krieg viele Menschen sterben oder verletzt werden, die eigentlich den Krieg nicht wollen und sich auch nicht wehren können.
Sprechen Sie in der Familie darüber wie man Streit lösen kann. Das ist für Kinder real nachvollziehbar, dass kennen sie selber, während die eigene Erfahrung von Krieg fehlt.
Sehen Sie die Fernsehberichte gemeinsam mit den Kindern an - und schaffen Sie anschließend einen Raum zu einem gemeinsamen Gespräch. Kinder sollten die Fernsehbilder nicht alleine anschauen - sie brauchen auch die Erklärungen der Eltern.
Es ist schwierig in den Fernsehbildern wirklich zu erkennen, was Krieg bedeutet. Viele Bilder sehen aus wie aus einem Computerspiel, oder wie ein Feuerwerk. Es wird nicht gezeigt was Menschen erleiden, sondern was die militärischen Maßnahmen und Erfolge sind. Die Sprache der Kommentatoren ist für Kinder meist nicht verständlich, doch die Bilder bleiben haften. Ausserdem werden manche Bilder häufig wiederholt, damit prägen sie sich besonders ein. Daher ist es besonders wichtig, dass Eltern die Fragen der Kinder beantworten.
Ein Hinweis: Im "Kinderkanal" gibt es gute Nachrichtensendung für Kinder mit dem Titel "Logo!". Hier werden Nachrichten so vorgebracht, dass Kinder die Zusammenhänge besser verstehen können.
Es ist wichtig Gewohnheiten im Alltag weiterzuleben, auch wenn überall über Krisen berichtet wird. Das kann Sicherheit und Geborgenheit geben. Ein Teil des Alltags geht normal weiter - das ist für Kinder (und übrigens auch für viele Erwachsene) ganz wichtig.
Überlegen Sie mit ihren Kindern gemeinsam, welche Möglichkeiten es gibt, etwas Konkretes zu tun. Sie können einen Brief an eine Zeitung schreiben, eine Friedensminute in der Schule anregen, etwas in der Kindertagesstätte gemeinsam malen, zu einem Friedensgebet gehen, mit anderen reden, etwas Sinnvolles tun, was Sie sowieso tun wollten, oder sich auch darüber freuen, dass wir z.Zt nicht in einem bedrohten Land leben. Es ist wichtig etwas tun zu können, auch wenn es etwas Kleines ist.
Vergessen Sie bitte nicht, dass wir Erwachsenen die Kinder auch in schwierigen Zeiten schützen müssen, soweit wir dies vermögen. Dabei kann es durchaus hilfreich sein, den Kindern etwas über die eigenen Ängste zu erzählen. Allerdings sollte man sich nicht von seiner Angst bestimmen lassen.
Die Angst ist eine Kraft - die uns hilft zu leben.
Zu guter letzt möchten wir auf ein Thema aufmerksam machen, was uns generell Sorgen macht: "Gewalt in Video-und Computerspielen, an der Playstation und in anderen Medien." Wir wollen nicht behaupten, dass diese Spiele alleine schon gewalttätig machen. In jedem Fall wird aber Gewalt verharmlost und zum Spiel erklärt. Es gibt immer auch "Gute und böse Helden", Angreifer und Feinde, Gewinner und Verlierer. Angesichts der Wirklichkeit des Krieges und seiner zerstörerischen Gewalt bitten wir Eltern und Jugendliche über diese Spiele zu diskutieren. Es ist eben nicht harmlos, wenn Menschen vertrieben werden, Kinder ihre Eltern verlieren, die Heimat zerstört wird. Wenn man dies am PC spielt, tut es nicht unmittelbar weh, genauso wie man durch die Berichterattung im Fernsehen nicht körperlich spürbar verletzt wird.
Sie können Ihre Sorgen und Fragen unseren Beratungsstellen auch im Rahmen der Online-Beratung mitteilen. Im Feld "Online-Beratung" auf dieser Seite finden Sie die Möglichkeit sich an eine unserer Beratungsstellen zu wenden. Zur Online-Beratung geht es hier.
Wenn Sie nicht in unserem Einzugsbereich wohnen, weisen wir Sie auch auf das Angebot der Kinderschutzzentren in:
www.kinderschutz-zentren.org/ksz_tip_e1.html
und auf das spezielle Angebot für Jugendliche in www.youngavenue.de/info.htmlhin.
Johannes Böhnke, Diplom-Sozialpädagoge,
Diözesan-Caritasverband Köln

|
Zur Online-Beratung
DIE BERATUNGSSTELLEN 
|