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Wenn es ballert und knallt - Kinder und Computerspiele



Junge
Kinder und Computerspiele
Computerspiele sind verantwortlich für den Anstieg der Gewaltbereitschaft bei Kindern und Jugendlichen. Spätestens seit den schrecklichen Ereignissen von Erfurt scheint das jedem klar. Aber ist das wirklich so? In der Fachwelt gibt es (noch) kein eindeutiges Urteil, ob die oft simplen, dafür umso brutaleren Computer-Spiele aus Jugendlichen kaltblütige Gewalttäter machen.

Vielleicht können wir das zum Anlass nehmen uns zu fragen, was wir Erwachsene überhaupt über die Welt der Computerspiele wissen?

Vorab: kein anderes Spielzeug hat in den letzten Jahren einen so großen kommerziellen Erfolg zu verzeichnen wie das Computerspiel. Parallel dazu gibt es eine pädagogische Diskussion, die mehr an einen Glaubenskrieg erinnert als an eine seriöse fachliche Debatte – grob gesagt: Verurteilung ohne Kenntnis der Materie.

Will man die Auseinandersetzung nicht ideologisch führen, muss man diesen virtuellen Teil der Lebensrealität von Kindern und Jugendlichen erst einmal kennenlernen. Ein erster Schritt dazu kann z.B. sein, das eigene Kind und seine Freunde mit vorurteilsloser Neugier nach eigenen Vorlieben und Neigungen zu fragen, zu erkunden, was denn reizvoll an diesem oder jenem Spiel ist, was interessiert, fasziniert oder auch ängstigt. Wer sich beim eigenen Kind in die "Schülerrolle" begibt, wird erstaunt sein, wieviel Geschicklichkeit, Konzentration, Geschwindigkeit und strategisches Denken erforderlich sind – um nur einige Faktoren zu nennen – um Computer-Spiele zu spielen, wie spannend es sein kann, sie gemeinsam mit anderen zu spielen. Nebenbei hat dies den nicht zu unterschätzenden Effekt, dass Kinder hier in der Regel den Erwachsenen überlegen sind und dies meist ausgiebig und sehr zu Recht genießen.

Was aber ist mit den sogenannten Ego-Shootern, Computerspielen, die aus der "Ich-Perspektive" gespielt werden und in denen ein Spieler sich mit seiner virtuellen Waffe durch eine feindliche Welt kämpft. Hier gilt wie bei anderen Spielen: Verdammung oder Verbote allein helfen nicht weiter. Die Erfahrung zeigt, dass sich eingefahrene Spiel- und Nutzungsweisen am ehesten ändern, wenn Erwachsene die Spielwünsche ernst nehmen, sich fundiert damit auseinandersetzen und wenn sie in der Lage sind, Spielalternativen anzubieten.


Hierzu vielleicht zwei Empfehlungen für PC-Spiele:




Zahlreiche enge Kurven und unterschiedliche Straßenbeläge müssen in "Rally Championship 2002" gemeistert werden. Ein virtueller Beifahrer sorgt für die nötige Unterstützung auf schwierigen Passagen. Wer sein Ziel schnell erreicht, kann auf weiteren Strecken in einem anderen Level fahren. Der Realismus, z.B. beim Wechsel von der Asphaltstraße auf einen Schotterweg fordert die Steuerkünste des Spieler heraus (ab 10 Jahren).

In "Civilisation III" muss der Spieler von 4000 v. Chr. bis ins ferne Jahr 2050 die Sorgfalt für die Zivilisation übernehmen, dabei Geschick in Ressourcen-Management, Diplomatie, militärischer Stärke und technischem Fortschritt beweisen, wobei es auch möglich ist, ohne kriegerische Auseinandersetzungen zu gewinnen (ab 14 Jahren).


Inzwischen gibt es etliche Möglichkeiten für Erwachsene, sich einen Überblick über Computerspiele zu verschaffen und die eigene Urteilsbildung zu unterstützen. Dazu einige Adressen:


Unter www.bpb.de/snp/ finden Sie die Datenbank "Search&PlayPlus". Darin enthalten sind Beurteilungen der Bundeszentrale für politische Bildung über rund 300 PC-Spiele. Gezielte Abfragen zu Themengebieten, Altersgruppen und Art der Spiele sind möglich. In manchen Fällen werden Demo-Versionen der Spiele gezeigt.



Wer lieber auf dem Papier nachschaut, kann den Informationsdienst "Computerspiele auf dem Prüfstand" kostenlos abonnieren, und zwar bei der Bundeszentrale für politische Bildung, Postfach 2325, 53013 Bonn.

Ebenfalls kostenlos abonnieren können Sie die Zeitschrift "Spiel- und Lernsoftware pädagogisch beurteilt" bei der Stadt Köln, Amt für Kinder, Jugend und Familie, Fachstelle Medienpädagogik/Jugendmedienschutz, Im Mediapark 7, 50670 Köln.

Zum Schluss ein Tipp für alle Internet-Surfer, die die Adresse noch nicht kennen: Unter www.blinde-kuh.de findet man eine spezielle Suchmaschine für Kinder mit Spielen, Witzen, Festen und vielem mehr.




Ingrid Rasch , Diplom-Psychologin


Katholische Erziehungs- und Familienberatungsstelle Köln


E-Mail: sekretariat@beratung-in-koeln.de




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