EIFERSUCHT – EIN STARKES GEFÜHL!

Informationen, Hintergründe und Hilfe


Udo (46) war sich schon lange sicher. Seine Frau Monika (44) betrügt ihn. Akribisch sammelt er Beweise. Notiert, wann sie wie lange das Haus verlässt, kontrolliert ihre Handyrechnung, befragt sie eingehend, wie sie ihren Tag verbracht hat. Monika beteuert ihre Unschuld, zeigt und sagt ihm bereitwillig, was er von ihr wissen will. Nachdem Udo den Mann ihrer besten Freundin angepöbelt und eines Seitensprungs mit Monika bezichtigt hat, reicht es Monika. Sie macht einen Termin in der Beratungsstelle, um sich Unterstützung zu holen.


Mechthild (54) ist sicher, dass ihr Mann Harald (58) eine Geliebte hat. Sie wird ihn nun endgültig verlassen, denn dies ist nicht die erste Außenbeziehung, die sie bei ihrem Mann vermutet. Sie will alles über diese Frau wissen. Wie sieht sie aus? Was hat sie, was Mechthild nicht hat? Mechthild ist von großer Wut und Rache erfüllt. Auf der anderen Seite nagt der Selbstzweifel an ihr. Schon lange glaubt sie, ihrem Mann nicht mehr zu genügen. Soll sie ihn wirklich verlassen oder können sie beide nochmal von vorne anfangen? Vielleicht kann eine Paarberatung Klarheit schaffen.

Eifersucht ist ein Thema, das in vielen Eheberatungen zur Sprache gebracht wird – manchmal nur am Rande, doch zuweilen ist es ein zentrales Thema eines Beratungsprozesses. Und dabei spielt es keine Rolle, ob es tatsächlich einen berechtigten Anlass für Eifersucht gibt oder ob es nur Fantasien sind, die die Eifersucht auslösen: Der Eifersüchtige empfindet die Gefühle gleich stark.

Eifersucht ist zunächst einmal ein Gefühl, das jeder kennt. Jedoch kann sie so stark werden, dass alle darunter leiden. Dann ist jemand „rasend vor Eifersucht“, verliert die Kontrolle, tut eventuell etwas, für das er sich später schämt. So sind Schuld und Scham häufige Begleiter der Eifersucht.

Hinter der Eifersucht steckt die Angst, etwas, was man hat, zu verlieren. Man ist sich nicht mehr sicher, welchen Stellenwert man für den Partner hat. Gleichzeitig fühlt man sich von seinem Partner sehr abhängig. Meistens ist der Auslöser für Eifersucht eine andere Person oder Aktivität, die plötzlich für den Partner wichtig wird. Manchmal kann es aber auch ein Gegenstand sein, z.B. der Computer oder das Smartphone, mit dem sich der Partner intensiv beschäftigt.

Frauen und Männer empfinden Eifersucht in gleichen Maßen, gehen jedoch unterschiedlich damit um. Frauen drohen häufig damit, ihren Partner zu verlassen. Sie versuchen sich über die Vorzüge der Rivalin zu informieren und diese zu übertrumpfen oder sie provozieren ihren Partner gezielt, um ihn zu mehr Aktivität in der Beziehung anzustacheln. Männer hingegen versuchen ehr die Partnerin zu kontrollieren und den Kontakt zum Rivalen zu verhindern. Sie sind weniger beziehungsorientiert und agieren die Eifersucht mehr aus.

Wenn die Eifersucht zu groß wird und eine weitere Entwicklung in der Partnerschaft bzw. im Leben des einzelnen behindert, ist es notwendig, sich dieses Gefühl im persönlichen Leben genauer anzu-schauen und zu überlegen: Warum bin ich eigentlich so eifersüchtig? Was verändert und verhindert die Eifersucht in meiner Partnerschaft?

Meist stellt sich heraus, dass hinter der Eifersucht eine tiefe Angst vor Verlust sitzt. Diese Angst verknüpft sich mit dem Gefühl, nicht liebenswert zu sein und nicht genug in der Lage zu sein, den anderen und seine Aufmerksamkeit für sich zu gewinnen.

In der Eifersucht knüpft der Erwachsene unbewusst an frühere Beziehungserfahrungen an. Das heißt, er hat als Kind häufig die Erfahrung gemacht, nicht ausreichend mit Liebe und Zuwendung versorgt gewesen zu sein bzw. er war als Kind zu wenig in der Lage, selbst Menschen dazu anzuregen, sich ihm zuzuwenden und ein Gefühl von Verlassenheit zu mindern. Die Angst vor dem Verlassenwerden wurde nicht hinreichend abgefangen und wird nun im Erwachsenenleben reaktiviert. Hinzu kommen ein sehr starkes Gefühl, nicht liebenswert zu sein und ein großer Zweifel an sich selbst. Der Eifersüchtige glaubt häufig, dass er nur dann liebenswert ist, wenn er der einzige geliebte Mensch für seinen Partner ist.

In einer Partnerschaft wird Eifersucht manchmal auch dann aktiviert, wenn die Partner zu nah und zu sehr miteinander verbunden sind. Dann kann es sein, dass sich die Partner zu wenig als eigenständige Personen wahrnehmen, und es treten unbewusste Trennungswünsche auf. Diese werden jedoch nicht als solche wahrgenommen, sondern zeigen sich in eifersüchtigen Szenen, in denen dem Partner eine Außenbeziehung vorgeworfen wird.

Auffällig an der Eifersucht auf eine andere Person ist meistens, dass die Vorstellung von dieser Person das ganze Denken des Eifersüchtigen beherrscht. Oft werden dem Rivalen Seiten zugesprochen, die bei genauerer Betrachtung Seiten sind, die der Eifersüchtige bei sich auch kennt, die er jedoch Beiseiteschieben muss, weil sie eine vermeintliche Schwäche darstellen und sonst zu bedrohlich für ihn sind. Sie sind Schattenseiten, zu denen er lieber nicht stehen möchte, und die er daher lieber einem anderen unterstellt.

Was kann helfen?
Zunächst ist es wichtig, sich der eigenen Eifersucht zu stellen und sie als Chance zu verstehen, die dazu einlädt, etwas an der Beziehung zum Partner zu verändern. Dabei gilt es, die eigenen Stärken zu erkennen und zu verstehen, dass der eigene Wert nie von einem anderen oder dessen Verhalten abhängt. Da kann es helfen, sich ein neues Hobby zu suchen, sich einen neuen Freundeskreis aufzubauen und aktiv eigene Lebensprojekte umzusetzen. Das gewonnene Selbstbewusstsein kommt der Partnerschaft zugute, denn die eifersüchtigen Vorwürfe werden weniger und jeder ist in der Lage für seinen eigenen Bereich in der Partnerschaft zu sorgen.

Auch ist die Auseinandersetzung mit dem Gefühl der eigenen Verlustangst unabdingbar. Wie habe ich Beziehungen in meiner Kindheit erlebt? Wurde dort ausreichend für mein Bedürfnis nach Sicherheit in der Beziehung gesorgt und wie habe ich es gelernt, auf andere zuzugehen und ihre Aufmerksamkeit zu wecken?

Wie bei allen Problemen, die in einer Partnerschaft eine Rolle spielen, ist es wichtig, miteinander im Gespräch zu sein, sich von den eigenen Gefühlen und Ängsten zu erzählen und Wünsche zu äußern. Auch ist es hilfreich, immer wieder zu überprüfen, ob die eigenen Fantasien tatsächlich der Realität entsprechen. Entwicklung geschieht auch dann, wenn es gelingt, sich durch die Eigenschaften eines vermeintlichen Rivalen herausfordern zu lassen und diese als bei sich ungeliebte Seiten zu entdecken. Je mehr es dabei gelingt, zu sich selbst dabei in Beziehung zu gehen, desto eher wird es gelingen, eine nicht von Eifersucht geprägte Beziehung zu einem anderen einzugehen.

Was ist aus den Beispielen vom Beginn geworden?
Udo und Monika konnten mit Hilfe der Beratung feststellen, dass sie sich beide oft nicht liebenswert finden und eigentlich auf der Suche nach dem idealen Partner waren, der ihnen absolute Sicherheit verspricht. Auf dieser Suche hat vor allem Udo sich immer mehr an Monika geklammert und versucht, sie mit seiner Eifersucht an sich zu binden. Durch die Beratung haben sie gelernt, sich gegenseitig mehr Freiräume zu lassen und sich der Angst vor Verluste zu stellen.

Mechthild hat sich in der Beratung mit ihren Schattenseiten auseinandergesetzt und gelernt, diese zu akzeptieren. Eine Zeit lang sind sie und ihr Mann getrennte Wege gegangen. Vor allem Mechthild hat so erfahren, dass sie alleine ihr Leben meistern kann. Nun gehen sie ihren Weg wieder gemeinsam, pflegen unterschiedliche Freundeskreise und bemühen sich immer wieder darum, über ihre Ängste und Gefühle zu sprechen.

Karin Wolf

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