Trennung oder Neuanfang?

Krisen bieten Entwicklungschancen für die Liebe


Nach der Geburt von Kindern kommen oft Paare in die Beratung und beklagen: „Unsere Partner-schaft hat sich verändert, aber wir wissen nicht woran.“ Vor allem Frauen geben an: „Ich empfinde keine Liebe mehr für meinen Mann, Intimität geht nicht mehr, ich glaube, ich muss mich von ihm trennen.“

Männer möchten an der Beziehung festhalten: „Meine Frau ist die Liebe meines Lebens.“ Aber auch sie erleben den Mangel an Intimität als sehr belastend. Routine herrscht im Alltag, alles Besondere aber scheint weg. Beide sagen oft: „Wir wissen nicht wie die Situation der Unzufriedenheit entstanden ist. Es war doch alles so gut.“ Paare in dieser Situation verkennen oft, dass die Geburt eines Kindes, auch wenn sie noch so herbeigesehnt war, für die Beziehung ein krisenhaftes Geschehen ist. Aus der Paarbeziehung wird eine Familiensituation.

Eine Krise ist immer ein Vorbote von Veränderung. Es entsteht etwas Neues. Krisen bieten Entwicklungsmöglichkeiten und sind Entwicklungschancen der Liebe. In der Beratungsarbeit geht es darum,  wie nehmen Beide ihre partnerschaftliche Situation wahrnehmen.

Sobald ihnen das klar ist, verstehen sie auch ihre Reaktionen und Gefühle besser, denn ihre Wahr-nehmung hat direkte Auswirkungen auf ihr Verhalten und Erleben. Verlust ist häufig mit Trauer und Schmerz verbunden. Die meisten Menschen reagieren mit Angst, während die Wahrnehmung einer Situation als Schädigung in aller Regel Ärger, Wut und Hass auslöst. Wird die Krise als Herausforderung wahrgenommen, stellen sich Neugierde und Energie ein. Dies sind die günstigeren Voraussetzungen, sich der Herausforderung einer Krise zu stellen.

Der nächste Schritt
in der Paarberatung besteht darin, den Gedanken an Trennung ernst zu nehmen. In der geschützten Atmosphäre der Paarberatung kann es dann darum gehen: Von was möchte sich das Paar trennen?

Trennung von bestimmten Erwartungen, Trennung von bestimmten Verhaltensweisen und Mustern, Trennung von zu viel Sicherheit, Trennung von einer bestimmten Phase der Beziehung, von Verletzungen und Enttäuschungen, Trennung von Altlasten, von Routine, Trennung von Lieblosigkeiten…

Viele kleine, statt einer großen Trennung

Die Frage ist dann: Worum geht es dem Paar? Um welche konkrete Veränderung geht es jedem Einzelnen? Durch diese vielen möglichen kleinen Trennungen kann oft die große Trennung, vermieden werden. Wenn die Partner einander verzeihen können, bleibt das Paar in seiner Partnerschaft handlungsfähig. Wenn sie einander verzeihen können, schenken sie einander Zukunft.

Edith Schartz-Tumbrink

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