Zoff unterm Weihnachtsbaum

Kinder und Trennung: Hilfe bei Familienproblemen

 

„Wenigstens zu Weihnachten könnte man noch mal als Familie unterm Weihnachtsbaum sitzen", sagt Herr M. mit einer Mischung aus Verzweiflung, Mutlosigkeit und Zorn, als er kurz vor dem ersten Advent in die Beratungsstelle kommt. Ein Freund hat ihn überredet, endlich Hilfe zu suchen...


"Wenigstens zu Weihnachten könnte man noch mal als Familie unterm Weihnachtsbaum sitzen",
sagt Herr M. mit einer Mischung aus Verzweiflung, Mutlosigkeit und Zorn, als er kurz. Vor dem ersten Advent in die Beratungsstelle kommt. Ein Freund hat ihn überredet, endlich Hilfe zu suchen. Zwei Wochen zuvor hatte ihn seine Frau vor die Alternative gestellt: Entweder er zieht aus, oder sie sucht mit Lea, der siebenjährigen gemeinsamen Tochter, eine Wohnung. Lange kriselte es schon in der Beziehung der Eltern, aber Herr M. hatte immer noch geglaubt, die Ehe sei zu retten. Nun muss er sich in das Unvermeidliche fügen. Weil er Lea die vertraute Umgebung erhalten will, verlässt er die gemeinsame Wohnung und zieht er zu einem Freund.


„Ich stehe vor einem Scherbenhaufen", sagt er zu der Beraterin. „Ich weiß überhaupt nicht, wie es in meinem Leben weitergehen soll. Und wie soll das mit mir und Lea gehen, schließlich bin und bleibe ich doch ihr Vater! Warum muss meine Frau diese schreckliche Entscheidung aber auch gerade vor Weihnachten treffen. „Mit ihr kann ich darüber nicht sprechen, wir geraten sofort in Streit. Wir können ja nicht mal mehr über ganz einfache Sachen reden.“


Die Beraterin lädt Frau M. ein, in die Beratungsstelle zu kommen, um gemeinsam mit ihrem Mann darüber nachzudenken, wie sie weiter als Vater und Mutter gut für Lea sorgen können, auch wenn sie nicht mehr zusammen leben. Herr M. kann sich nicht vorstellen, dass seine Frau der Einladung folgen wird, zu zerstritten seien sie beide. Aber sie kommt. „Es geht um Lea" sagt sie, „da ist es selbstverständlich, dass ich für sie etwas tue. Und hier können wir reden, weil jemand da ist, der uns weiterhilft, wenn wir uns mal wieder im Streit verrennen."


Der Trennungsentschluss, den Frau M. nach langen inneren Kämpfen gefasst hat, ist für sie unumstößlich. Das muss Herr M. hinnehmen, auch wenn er gehofft hatte, seine Frau mit Hilfe der Beraterin von ihrem Entschluss abbringen zu können. Es gibt viele Dinge zu überlegen: Wann findet der Vater eine eigene Wohnung? Wie geht das mit dem Geld? Was geschieht mit den Möbeln und dem Hausrat? Und vor allem: Wie geht das mit Lea? Soll sie den Vater immer besuchen können, wenn sie Lust dazu hat, oder ist es doch besser, bestimmte Zeiten festzulegen? Kann der Vater sich eine Wohnung leisten, in der Lea ein eigenes Zimmer, ein zweites Zuhause hat?


Die Beraterin stellt fest, dass Frau und Herr M. sich bei allen Streitigkeiten doch in ganz wichtigen Dingen einig sind: Sie wollen das gemeinsame Sorgerecht für Lea weiter behalten, Lea soll bei der Mutter wohnen. Der Vater soll möglichst in der Nähe eine Wohnung finden, damit Lea ihn leichter besuchen kann. Gute Pläne für die weitere Zukunft. Aber jetzt kommt ausgerechnet Weihnachten!


„Natürlich ist Lea am Heiligabend bei mir", sagt Frau M. ganz selbstverständlich. "Ich habe schon eine Freundin eingeladen, die auch mit ihrem Kind allein ist. Am ersten Weihnachtstag kann sie dann zu dir kommen, vielleicht hast du bis dahin auch schon eine Wohnung." Herr M. ist empört und verzweifelt zugleich. Er hatte gedacht, wenigstens Weihnachten könnten sie noch einmal gemeinsam feiern, und vielleicht könnte ja auch alles wieder gut werden. Und so schnell kann er auch keine Wohnung suchen, er ist noch viel zu beschäftigt damit, sich in seiner neuen Situation zurechtzufinden.


In der Beratung können die Eltern sich nach einem längeren Ringen darauf einigen, dass Lea mit dem Vater gemeinsam den Weihnachtsbaum kauft, dass er am frühen Heiligabend für eine begrenzte Zeit in die ehemals gemeinsame Wohnung kommt, und dass es eine gemeinsame Bescherung geben wird. Offen bleibt, ob die Familie auch gemeinsam zur Kirche geht. Frau M. lädt ihre Freundin für den ersten Weihnachtstag ein. Und für Weihnachten im kommenden Jahr werden sie neu nachdenken, vielleicht noch einmal mit Hilfe der Beratungsstelle.


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