Welche Erziehungs-Bedingungen brauchen Kinder, um friedfertig und konfliktfähig zugleich aufzuwachsen, um ein gutes Sozialverhalten zu erlernen?
Zunächst und vor allem brauchen sie Eltern, die das im Folgenden Gesagte für sich beherzigen und - wie es so schön heißt - mit gutem Beispiel vorangehen, zumindest sich erkennbar darum bemühen.
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Kinder brauchen Orientierung durch die Vermittlung von Werten
Kinder brauchen Sicherheit durch klare Regeln und Grenzen
Kinder brauchen Anleitung zu guten Konfliktlösungen
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Orientierung durch die Vermittlung von Werten
Auch wenn es vielleicht ein bißchen großartig klingt - es geht um Vermittlung von Werten, wie sie das Grundgesetz benennt.
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Die unantastbare Würde des Menschen - d.h. nichts anderes, als dass ich als Erwachsener ein Kind nicht beleidige, auch nicht zulasse, dass ein Kind mich respektlos behandelt, und unterbinde, dass Kinder sich untereinander beleidigen.
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Die freie Entfaltung der Persönlichkeit, soweit nicht die Rechte anderer verletzt werden - d.h. Kinder brauchen die Erfahrung, dass Erwachsene um einen fairen Ausgleich von Interessen bemüht sind, sowohl untereinander als auch zwischen Erwachsenen und Kindern.
Der Schutz der körperlichen Unversehrtheit - d.h. Schläge können kein legitimes Erziehungsmittel sein, und es braucht die Einmischung von Erwachsenen, wenn Kinder sich gewalttätig auseinandersetzen.
Schutz des Eigentums - d.h. Kinder müssen erfahren, was dein und mein ist, sollen auch teilen lernen, und das ist nur möglich, wenn sie auch erfahren, dass ihr Anspruch auf Eigentum respektiert wird.
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Sicherheit durch klare Regeln und Grenzen
Dass Regeln und Grenzen unverzichtbar sind, wenn Menschen gut zusammenleben wollen, wird kaum Widerspruch erfahren. Schwieriger für Eltern ist herauszufinden, welche Regeln und Grenzen in der eigenen Familie gelten sollen. Darüber muss man sprechen, zunächst mit dem Partner/der Partnerin und dann mit den Kindern. Da kann es um kleine und große Fragen gehen, zum Beispiel:
Muss in unserer Familie jeder am Tisch sitzenbleiben, bis alle fertig sind? Werden die Schularbeiten zuerst gemacht und wird dann gespielt? Müssen die Kinder bei der Hausarbeit helfen? Dürfen die jugendlichen Kinder ihre Garderobe selbst bestimmen?
Und wenn der Standort gefunden ist, braucht es nicht nur die klare und verständliche Benennung, sondern auch die (häufige) Wiederholung der benannten Regeln und Grenzen.
Eltern sind manchmal in Sorge, dass solche Grenzsetzungen die Entfaltungsmöglichkeiten ihrer Kinder allzusehr einschränken. Dabei übersehen sie, dass hier ein orientierender Rahmen für Kinder geschaffen wird, in dem sie ihr Leben gestalten können.
Und was passiert, wenn die Regeln nicht eingehalten, die Grenzen überschritten werden? Jedes gesunde und \"normale\" Kind wird das versuchen. Eine ruhige und zugleich bestimmte Erinnerung ist der erste Schritt, das Benennen von Konsequenzen der zweite, die Einforderung dieser Konsequenzen der dritte. Wichtig dabei: Konsequenzen müssen direkt und unmittelbar erfolgen, sie müssen ebenso verständlich wie sachbezogen sein und je nach Situation möglichst eine Wiedergutmachung beinhalten.
Nicht zu vergessen: Kinder brauchen Lob und Anerkennung, wenn ihnen die Einhaltung von Grenzen und Regeln gelingt. Allzu oft nehmen wir das selbstverständlich und würdigen nicht die Anstrengung, die darin liegt. Nebenbei ist dies nach aller Erfahrung eher dazu angetan, das gewünschte Verhalten zu verstärken, als der ständige Blick auf das, was nicht gelingt.
Anleitung zu guten Konfliktlösungen
Alles zuvor Gesagte wird nicht verhindern, dass es immer wieder zu Konflikten kommt. In der Regel betrachten wir sie als Störfall. Hier ist ein Umdenken angezeigt: Konflikte sind geradezu notwendig und unerläßlich, weil sie ein Lernfeld bieten, in dem ein gutes Sozialverhalten erworben werden kann. Dafür ist die Familie ein idealer Ort. Aber wie damit umgehen, und zwar gewaltfrei?
Im ersten Schritt eines erfolgreichen \"Konfliktmanagements\" braucht es die Klärung der jeweiligen Situation. Dazu ist eine Zeitverschiebung oft sehr sinnvoll, weil in der aktuellen Situation heftige Gefühle eine sachliche Auseinandersetzung verhindern können.
Im zweiten Schritt macht es Sinn, Kinder mit den Folgen eines nicht angemessen gelösten Konfliktes zu konfrontieren, etwa mit zugefügten Schmerzen.
Im dritten Schritt brauchen Kinder Hilfen dazu, das falsche Verhalten einzugestehen und Unterstützung darin, sich zu entschuldigen.
Nicht zuletzt ist es oft sinnvoll, eine Wiedergutmachung, und sei sie auch nur symbolisch möglich, anzuregen.
Zum Schluss sei noch einmal ein Bogen geschlagen zur Bedeutung der Beispielfunktion von Eltern - diesmal mit einem vielleicht provozierenden, aber doch sehr bedeutungsvollen Spruch:
Man kann Kinder eigentlich gar nicht erziehen, sie machen einem doch alles nach!
Ingrid Rasch , Diplom-Psychologin
Katholischen Erziehungs- und Familienberatungsstelle Köln
mail: sekretariat@beratung-in-koeln.de