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Online-Beratung im Bistum Essen

Beratungsstellen für Eltern, Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene


Lese- und Rechtschreibschwächen von Kindern



Familie
Ein Beitrag der Erziehungs- und Familienberatungsstelle Wuppertal

Seit einigen Jahren beschäftigen wir uns an unserer Beratungsstelle schwerpunktmäßig mit dem Thema Lese- und Rechtschreibschwäche (LRS).

In letzter Zeit machten wir die Erfahrung, dass Eltern immer häufiger ihre Kinder bei uns anmelden, weil sie in der Schule durch massive Schwierigkeiten beim Erwerb der schriftsprachlichen Kulturtechniken auffallen.

Diese Kinder können, obwohl sie häufig schon das dritte oder vierte Schuljahr besuchen, nur mit großer Mühe lesen und mit vielen orthographischen Fehlern schreiben. Zu diesem Zeitpunkt haben die betroffenen Kinder leider schon viele Frustrationen erlebt, die die Lust und den Spaß am Lernerfolg und damit häufig auch am Lebenserfolg generell beeinträchtigt haben.

Anliegen unseres Projektes war es, den Pädagogen möglichst frühzeitig eine Diagnostik und Förderung betroffener Kinder nahe zu legen und über den neuesten Stand der Erforschung der Lese- und Rechtschreibstörung zu informieren.

In einer intensivierten Zusammenarbeit mit Erzieher/-innen sowie Lehrer/-innen wollten wir dazu beitragen, vorschulische und frühschulische Gründe, die Lernschwierigkeiten im Anfangsunterricht bedingen, zu fokussieren und zu reduzieren.

Einer LRS gehen mit hoher Wahrscheinlichkeit beobachtbare und messbare Defizite in so genannten "Vorläuferfertigkeiten" voraus, die bei der Einschulung bzw. in dem letzten Jahr vor der Einschulung entwickelt sein sollten. Die Vorläuferfertigkeiten entsprechen weitestgehend Kompetenzen in der auditiven Wahrnehmung, der visuellen Wahrnehmung und der kinästhetischen, psychomotorischen und motorischen Funktionen.

Aufgrund von Studien ist erwiesen, dass die phonologische Bewusstheit von Vorschulkindern durch das Training massiv gefördert werden kann, was wiederum einen deutlich positiven Effekt auf das sich anschließende schulische Lesen– und Schreibenlernen nimmt. Es profitieren alle Kinder, auch diejenigen, die über sehr schwache phonologische Fertigkeiten verfügen.

Um dem Aspekt der Vorbeugung gerecht zu werden, bot unsere Beratungsstelle parallel zu den Fortbildungen für die Lehrer/-innen ein konkretes Training für die Teilnehmenden Erzieher/-innen an (Hören, Lauschen, Lernen); dieses korrespondiert mit dem BISC (Bielefelder Screening), einem auf Kindergartenkinder sensibilisierten Screeningverfahren, welches eine LRS mit einer Wahrscheinlichkeit von 70 % erfasst und gegebenenfalls bei uns durchgeführt wird).

Das Erlernen des Lesens und Rechtschreibens vollzieht sich nach der Einschulung in einem individuell sehr unterschiedlich verlaufenden Lernprozess.

Unabhängig von der Lehrmethode beim Schriftspracherwerb ist nach dem Abschluss der zweiten Schulklasse bereits eine gewisse Kompetenz in Leseflüssigkeit und Schreibschrift (feinmotorische Koordination) zu erwarten.

Andernfalls liegen für eine LRS typische Symptome und Auffälligkeiten vor, die durch eine entsprechende Diagnostik erfasst werden können.

Der erste diagnostische Schritt besteht im Ausschluss außerhalb einer speziellen Begabungsschwäche liegender Gründe für schwache Lese- und Schreibleistungen; hierzu gehören in erster Linie vergangene und insbesondere aktuell wirksame familiäre Belastungen sowie Wahrnehmungsstörungen, die auf funktionellen Ursachen beruhen.

Zur Ermittlung der Lese / Rechtschreibkompetenzen eines Kindes werden neben einem Intelligenztest spezifische Verfahren zur Ermittlung der Leseleistung und der Orthografie eingesetzt, die mit einer Klassenstufennorm verglichen werden. Die Diagnose LRS setzt voraus, dass bei einer insgesamt durchschnittlichen Intelligenz zumindest deutlich unterdurchschnittliche Leistungen in Lesen und Schreiben vorliegen.

Dass dieses heute gültige Kriterium dem Grunde nach wenig sinnvoll ist, da hierdurch lernbehinderte Kinder von einer qualifizierten außerschulischen Förderung ausgeschlossen werden, sei nicht nur am Rande erwähnt.

Bei der "positiven" Diagnose LRS greifen Förderverfahren der Legasthenikerbehandlung beim Fachtherapeuten/in, wozu den Erziehungsberechtigten der betroffenen Kinder an unserer Beratungsstelle neben informativen Handreichungen Wege zu finanzieller Förderung und geeigneten Therapeuten gewiesen werden.

Die Vorträge an den Schulen fanden im Rahmen einer Lehrerkonferenz statt. Neben der vermittelten Information, die seitens der Lehrer/-innen insbesondere wegen der Möglichkeit einer Abklärung positiv begrüßt wurde, wurden in erster Linie Fragen zu der Implementierung geeigneter Lehrstrategien und der Berücksichtigung lese- und rechtschreibschwacher Kinder im Unterricht diskutiert.

Zudem stellten sich die teilnehmenden Lehrer/-innen die Frage, wie sie zu einer möglichst frühzeitigen Identifizierung betroffener Kinder, etwa im Vorstellungsgespräch, beitragen können. Für die Schulen wurden zudem Handreichungen verteilt, die sich auf die Förderung wahrnehmungsbeeinträchtigter Kinder sowie alternative Lehrmethoden bezogen.

Unter anderem als Folge der Lehrerfortbildungen war in unserer Beratungsstelle eine deutlich gestiegene Nachfrage nach Diagnostikterminen zu spüren.

Weitere Informationen finden Sie im Internet auch unter:
www.legasthenie.net
www.rechenschwaeche.org
www.schulpsychologie.de


Erziehungs- und Familienberatungsstelle Wuppertal
e-mail: Erziehungsberatung@caritas-wuppertal.de



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