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Wenn Paare Eltern werden


Wenn Paare Eltern werden


"Es ist eines der größten Abenteuer, wenn aus zwei Menschen Drei werden."

von Johannes Böhnke

Diözesan-Caritasverband Köln

Die meisten Paare stellen sich vor, dass aus dem Glück zu Zweit mit der Geburt eines Kindes ein erweitertes Glück zu Dritt wird und erhoffen sich ein "heiles Familienleben". Die Geburt eines Kindes wird allgemein als ein "freudiges Ereignis" bezeichnet und ganz sicher ist "Mutter und Vater werden" eine der wichtigsten Lebenserfahrungen.

Dabei verliert man jedoch leicht aus dem Blick, dass sich mit der Geburt des Kindes sehr viele Lebensbereiche ändern. Dazu gehört eine neue Arbeitsverteilung, die Neuordnung der Finanzen, des Wohnortes oder Wohnraumes und der Feizeit, des gesamten Zeitrhythmus, ebenso wie eine veränderte Verteilung von Nähe und Zuwendung und die Neugestaltung von Sexualität und Intimität. Die emotionale und materielle Versorgung der Familie muss auf eine neue Basis gestellt werden.

Viele Frauen und Männer haben zudem mit der Geburt eigener Kinder das Gefühl, nicht mehr länger selber Tochter oder Sohn der eigenen Herkunftsfamilie zu sein, sondern Mutter / Vater in einer zukünftigen Familie zu werden.

Die eigenen Eltern bekommen einen neuen Status als Großeltern und müssen lernen diese Rolle neu zu gestalten. ("Wie weit wollen sie die jungen Eltern unterstützen?" - "Wobei wollen sie sich besser nicht einmischen?" - "Welche Generationsgrenzen wollen beachtet werden?")

War die eigene Partnerschaft bisher eher von dem Aspekt der Gleichheit und der Gleichberechtigung bestimmt, tritt nunmehr eine Notwendigkeit einer neuen Aufgabenverteilung ein. Wer versorgt das Kind? Wer verdient das Geld? Wann bleibt noch Zeit für die Partnerschaft? Der Gesetzgeber hat Männern und Frauen gleichermaßen ein Recht auf Elternzeit eingeräumt. Tatsächlich wird dieses Recht aber nur in 2% aller Fälle von Männern wahrgenommen. Es ist auf einmal "wie früher", die Frauen sorgen sich um den Innenbereich der Familie, die Männer investieren verstärkt in den Beruf...und die Ehepartner stehen in der Gefahr sich zu entfremden...zugleich braucht das Kind sichere Bindungen. Das bringt oftmals Stress in den familiären Alltag. Wie soll man all diesen unterschiedlichen Anforderungen gerecht werden?

Im Gegensatz zu anderen Familienentscheidungen ist die Entscheidung für ein Kind unwiderruflich. Somit fühlen sich viele Paare unter dem Zwang optimale Entscheidungen treffen zu müssen. Die Rollenaufteilungen erweisen sich jedoch oftmals als weniger gerecht, als man es sich zunächst gemeinsam partnerschaftlich vorgestellt hat. Die Enttäuschung darüber führt mitunter zu Krisen, und kann später dann auch zu Trennungen und Scheidungen führen. Entscheidend ist wie die Partner den Übergang in die Familiensituation gemeinsam gestalten können. Alltagstaugliche Lösungen sind dabei mitunter hilfreicher als die Suche nach optimalen Entscheidungen.

Ein Leben mit Kindern folgt besonders in den ersten Jahren anderen Gesetzen als ein Leben in einer Partnerschaft. Dies liegt zum einen an den permanenten Bedürfnissen des Kindes nach Aufmerksamkeit und Versorgung, und zum andern daran, dass drei Menschen ihre Kommunikation einfach anders verteilen müssen als dies mit zwei Personen möglich ist. Aus dem Dialog wird eine Trialog und machmal wird aus einem Dilemma ein Trilemma (also ein nicht ganz aufgehender Versuch allen Seiten gerecht zu werden).

Die Partnerschaft und die Ehe müssen sich in die Familie hinein weiterentwickeln, gleichzeitig darf die Ehe jedoch nicht im Familienverbund untergehen und sollte eine eigene Qualität behalten.

Wie kann das gehen? Gibt es noch Zeiten zu Zweit? Oder wird alles mit den Kindern geteilt? Kinder brauchen unverplante Zeit - im Berufsleben gilt aber nur die verplante Zeit."Time ist Honey" sagt das Kind. "Time is Money" sagt dagegen der Chef. Wie lässt sich das in einer Familie zusammenbringen?

Kinder brauchen nicht nur die Erfahrung, dass sie von Vater und Mutter verstanden werden, sie brauchen die Erfahrung dass Vater und Mutter, Mann und Frau sich verständigen können. Daher ist es gut sich Zeiten zu Zweit zu bewahren, damit die Zeit zu Dritt gelingen kann. Wenn das dann noch gelingt ab und zu eine "Stille Sunde" nur für sich allein zu finden, dann ist schon viel gewonnen. Es hat sich bewährt, dass Eltern immer wieder über ihre Rollenaufteilungen und Familienerfahrungen miteinander sprechen und die Aufgaben neu vereinbaren. So kann der Übergang von der Partnerschaft zur Familie am besten gemeinsam gestaltet werden.

Und halten Sie es bitte für normal, dass nicht alle Lebensbereiche gleichzeitig optimal gelingen. Es verlangt ja niemand, dass Sie eine optimale Ehe führen, eine "attraktive Frau" und ein "toller Mann" und gleichzeitig treusorgende Eltern sind, die mit einem großzügigen Einkommen ausgestattet und mit phantasiebegabten Kindern gesegnet sind, einen vielfältigen Freundeskreis haben, gerade ein Haus bauen und zugleich noch eine glänzende berufliche Karriere machen...

Johannes Böhnke, Diplom-Sozialpädagoge, Köln

Johannes.Boehnke@caritasnet.de

 



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