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Online-Beratung im Bistum Essen

Beratungsstellen für Eltern, Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene


Pflegefamilien - eine besondere Aufgabe



Familie am Küchentisch
(von Edith Thelen, Dipl.-Psychologin, Beratungsstelle Mittelstr. in Kerpen-Horrem)

Es gibt unterschiedliche Anlässe für die Unterbringung von Kindern und Jugendliche bei Pflegeeltern und Aufenthaltszeiten der Kinder in der Familie. Wenn ein Kind aus der Ursprungsfamilie herausgenommen wird, so überprüft das Jugendamt sehr genau, ob dieses Kind in einem Heim, in Kurzzeitpflege (über einige Wochen oder Monate) oder in Dauerpflege (bis zum 18. Lebensjahr oder zum Ende der Ausbildung) untergebracht werden kann. Auch wird dabei festgelegt, wie der Kontakt zu den leiblichen Eltern weiterhin gestaltet werden kann und soll und ob überhaupt Kontakt bestehen bleiben soll, ggf. sogar mit dem Ziel der Rückführung.

Auch gibt es verschiedene Formen von "Pflegestellen". Es gibt Pflegeeltern, die sich irgendwann aus den unterschiedlichsten Gründen entschlossen haben, ein Kind bei sich aufzunehmen, es gibt aber auch sogenannte professionelle Pflegestellen, in denen mindestens ein Elternteil eine pädagogische oder psychologische Qualifikation haben, deren Beruf der des "Pflegevaters" oder der "Pflegemutter" ist. Dorthin werden in der Regel Kinder und Jugendliche mit besonderen Auffälligkeiten und Traumatisierungen gegeben, da hier eine von vornherein therapeutische Haltung den Kindern gegenüber notwendig ist. In diesen Pflegestellen leben häufig auch mehrere Pflegekinder zur selben Zeit.

Aus zahlreichen Beratungsgesprächen vor allem mit "Langzeit – Pflegeeltern" wird immer wieder deutlich, dass die von den Familien übernommene Aufgabe häufig mit sehr vielen Problemen behaftet ist, mit denen niemand vorher gerechnet hat. Hier gibt es verschiedene Gesichtspunkte, die immer wieder zum Tragen kommen:

Zum einen erscheint es wichtig, das Verhalten der Kinder unter dem Blickwinkel dessen zu betrachten, was sie erlebt haben, bevor sie in eine Pflegefamilie kommen: in vielen Fällen haben sie Erfahrungen mit Missbrauch, Gewalt, Vernachlässigung, Verlassen-Werden, u.ä.. Sie fühlen sich als ungewollte Menschen unserer Gesellschaft, die sich vor allem oft selbst noch die Schuld geben für das, was die leiblichen Eltern ihnen angetan haben. D.h. die Pflegefamilie, die sich dieser Kinder annimmt, muß damit rechnen, dass die Kinder all ihre Erfahrungen zunächst einmal auf die neuen Eltern übertragen, sich so verhalten, wie sie es in der Ursprungsfamilie erlernt haben und wie es dort notwendig war, um zu überleben (z.B. nachts aus dem Kühlschrank Essen klauen, um nicht zu verhungern, auch wenn es in der neuen Familie Essen genug gibt, Provozieren bis zum Äußersten, um herauszubekommen,ob die neuen Eltern sie auch schlagen oder rausschmeißen, usw.)

Zum anderen ist aber auch wichtig, die Motivation der Pflegefamilie unter die Lupe zu nehmen. Diese Motivation kann sehr unterschiedlich sein: es kann z.B. sein, dass sich ein Ehepaar immer eigene Kinder gewünscht hat, keine bekommen konnte, ein Kind adoptieren wollte, was aus irgendeinem Grund dann auch nicht klappte, dann sich bereit erklärte, ein Pflegekind aufzunehmen. Hier ist wichtig, sich mit dieser "Abstufung" auseinander zu setzen. Was heißt es, wenn all meine Ideen nicht verwirklicht werden können, muss ich dann das nehmen, was übrig bleibt...... Ein anderer Grund, ein Kind in die Familie aufzunehmen kann sein, dass die eigenen Kinder inzwischen groß und aus dem Haus sind, die Eltern auf diese Weise eine neue sinnvolle Aufgabe suchen. So gibt es noch viele denkbare Gründe, sich um Pflegekinder zu kümmern, die alle normal und natürlich sind, durchaus eigenen Wünschen gerecht werden können und dürfen. Man muss sich nur darüber im Klaren sein, um damit umgehen zu können, wenn Kinder gegenüber Pflegeeltern nicht dankbar zu sein scheinen, wenn sie Probleme machen, sich nicht wie erwartet auf Bindungen einlassen, die Pflegeeltern, die sich doch viel Mühe geben und sich immer kümmern, provozieren und gefühlsmäßig auf Abstand halten.

Ein Probleme kann auch entstehen durch die Kontakte zu den leiblichen Eltern, die die Pflegeeltern häufig als Konkurrenten ansehen und auch schon mal bekämpfen, als Menschen, mit denen man um die Gunst der Kinder buhlen muss, was die Kinder oft sehr verwirrt und in Loyalitätskonflikte führt. Hier sind in besonderem Maße klare Absprachen zwischen den Erwachsenen nötig, sowie eine gute Begleitung und Beratung durch Jugendamt oder Beratungsstelle.

Pflegeeltern sind immer auch Therapeuten, die den Kindern ermöglichen können, andere und neue Erfahrungen mit Erwachsenen zu machen als die, die sie in der Ursprungsfamilie gemacht haben. Und diese Therapeutenrolle verlangt viel Geduld, Einfühlungsvermögen, Sich-Einstellen auf die Bedürfnisse des Kindes, und vor allem Kraft von den Pflegeeltern. Sie verlangt die Stärke von den Eltern, eigene Vorstellungen und Wünsche an die Kinder zurückzustellen, sich nicht gekränkt zu fühlen als Person, um die bestehenden seelischen Wunden behandeln zu können. Aus diesem Grunde erscheint es uns ausgesprochen wichtig, Pflegeeltern zur Seite zu stehen vom ersten Moment an. Sobald ein Kind in eine Familie aufgenommen werden soll und kann, sollte Beratung und Begleitung durch sachkundige Berater angeboten werden.

Edith Thelen, Dipl.-Psychologin, Beratungsstelle Mittelstr. Kerpen-Horrem
E-Mail: info@eb-kerpen.de


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