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Ob der Phillip heute still, wohl dem Lehrer zuhören will? - Über den Umgang mit aufmerksamkeitsgestörten Kindern
 Ein Beitrag der Erziehungsberatungsstelle Wuppertal
Ein wichtiger Schwerpunkt der Arbeit unserer Beratungsstelle ist das Thema Aufmerksamkeitsstörungen.
Unser Interesse an diesem Thema leitet sich aus unseren Erfahrungen in der Beratung ab:
 | Als sehr wichtig erscheint uns der große Informationsbedarf, den auch viele Professionelle äußern.
|  | Wir erfuhren, dass die Störung häufig spät erkannt wird und Behandlungen damit nicht rechtzeitig erfolgen.
|  | Es besteht eine zumindest für den Laien verwirrende schulenspezifische Vielfalt von Behandlungsformen einer diagnostizierten Aufmerksamkeitsstörung.
|  | Es besteht offensichtlich ein Mangel an adäquaten Diagnostik- und Therapieplätzen im Raum Wuppertal. |
Die Auffälligkeiten, die unter dem Begriff der Aufmerksamkeitsstörung (oder ADS, HKS) subsummiert werden, zeigen sich symptomatisch etwa in Vergesslichkeit, Flüchtigkeit - insbesondere was kurzfristige Behaltens- und Aufmerksamkeitsleistungen betrifft - oder auch in der Beeinträchtigung der Aufrechterhaltung einer erforderlichen Konzentrationsspanne.
Die in den oben genannten Symptomen umrissene sogenannte "Einfache Aufmerksamkeitsstörung" wird gegebenenfalls durch hypermotorische Anteile - also Bewegungsunruhe in verschiedenen Formen - sowie die sogenannte Impulsivität, die vorschnelles und wenig strategisches Lösungsverhalten umschreibt, kompliziert.
Ein Verhalten, das auf eine mögliche Aufmerksamkeitsstörung hinweist, wird in der Regel im Schulunterricht deutlich, wenn nicht besondere Beeinträchtigungen, die mit dem fraglichen Verhalten verbunden sind, bereits in der Familie oder im Kindergarten auftreten.
Im Sinne einer möglichst zeitigen Abklärung vorliegender Probleme ist eine frühes Zuordnen und Ernstnehmen der Symptome erforderlich.
In der Praxis fällt jedoch auf, dass häufig -und dies nicht nur bei den Aufmerksamkeitsstörungen- recht spät und damit unter weniger günstiger Prognose eine Anfrage für eine Diagnostik gestellt wird.
Zunächst werden leider häufig nach den Maßstäben der Normalität naheliegende Einschätzungen wie etwa "Bequemlichkeit", "Faulheit", oder ein "persönlicher Konflikt" vergeben, die sich jedoch weder als zutreffend noch als lösungstauglich erweisen.
Bei erkanntem Abklärungsbedarf sollte daher umgehend eine qualifizierte Diagnostik bei einer Fachkraft eingeleitet werden.
Angesichts der Komplexität der Symptomatik ist bei der Diagnostik und Behandlung einer Aufmerksamkeitsstörung eine professionsübergreifende Kooperation erforderlich; eine Fachgruppe allein ist nämlich in der Regel nicht in der Lage, alle notwendigen Klärungen vorzunehmen.
Bei einer Aufmerksamkeitsstörung muss etwa differentiell ausgeschlossen werden, dass:
 | eine periphere oder zentrale Funktionseinschränkung vorliegt,
|  | somatische Erkrankungen mit in Teilen ähnlicher Symptomatik bestehen,
|  | sich Besonderheiten in der kognitiven Begabung zeigen,
|  | in der Symptomatik ähnliche psychische Störungen vorliegen.
| Letzteres ist bedeutsam, da man vielfache Überschneidungen in der Symptomatik von Aufmerksamkeitsstörungen und anderen diagnostischen Kategorien findet, wie etwa emotionale und soziale Belastungen oder massiv beeinträchtigende familiäre Verhältnisse.
Die eigentliche, spezifische Diagnostik der Aufmerksamkeitsstörung beinhaltet neben der Differenzialdiagnostik die sorgfältige anamnestische Analyse, die Beurteilung der Leistung und des Verhaltens in der Testsituation und herausragend die Einschätzung der Ausprägung des problematisierten Verhaltens durch Bezugspersonen mithilfe von Fragebögen.
Neben den Fragebögen werden Verfahren zur Beurteilung der intellektuellen Leistungsfähigkeit sowie bei Bedarf Tests zur Erhebung der Aufmerksamkeitsleistung eingesetzt.
Ein schwieriges Kapitel ist nach einer gesicherten Diagnostik die Behandlung einer Aufmerksamkeitsstörung.
Nebeneinander bestehen verschiedenste Behandlungsansätze, die neben der gängigen medikamentösen Therapie, den kognitiven Trainings und den familienorientierten Interventionen auch u. a. Ernährungsumstellungen, homöopathische Behandlung, Ergotherapie und andere alternative Verfahren umschließen.
Im Bereich der "konventionellen" bzw. "wissenschaftlich anerkannten, richtliniengemäßen" Behandlungsformen ist zum ersten die Notwendigkeit einer medikamentösen Therapie abzuklären. Diese bewirkt allerdings lediglich eine Symptomreduzierung und nicht die "Heilung" der Aufmerksamkeitsstörung, kann aber jedenfalls durch die Senkung der Belastung die schulische Laufbahn absichern, familiär deeskalieren und eine Erhöhung der Motivation zu einer Psychotherapie bewirken.
Eine medikamentöse Behandlung sollte, gewissenhaft durchgeführt, jedenfalls durch psychosoziale Interventionen und gegebenenfalls eine spezifische Förderung kognitiver Kompetenzen ergänzt werden.
Häufig ist für aufmerksamkeitsgestörte Kinder eine längerfristige Behandlung und Begleitung erforderlich.
In diesem Falle werden heilberufliche Maßnahmen erforderlich, die niedergelassenen Ärzt/-innen und Psychotherapeut/-innen bzw. Kliniken vorbehalten sind.
Unsere Anfragen bei verschiedenen Krankenkassen und bei der Kassenärztlichen Vereinigung in Wuppertal erbrachten die routinemäßigen Hinweise auf die zugelassenen Vertragspsychotherapeuten im Kinder- und Jugendbereich, jedoch keine Empfehlungen von auf Aufmerksamkeitsstörungen spezialisierten Kolleg/-innen.
Sicher, die medikamentöse Form der Behandlung ist nach unserer Kenntnis im Bedarfsfall gesichert; möglicherweise ist die Qualität der medikamentösen Einstellung und die Gewissenhaftigkeit begleitender Blutanalysen ein Unterscheidungsskriterium.
Die in der maßgeblichen Fachliteratur als zwingend notwendig beurteilte (begleitende) "psychosoziale Intervention" aber ist in Wuppertal ausdrücklich nicht zu bekommen.
Unsere Beratungsstelle verfolgt angesichts der Mangelsituation das Anliegen, von einer Aufmerksamkeitsstörung betroffenen Kindern und Jugendlichen eine rasche und qualifizierte Diagnostik zukommen zu lassen.
Unsere Beratungsstelle ist auf die Diagnostik und Ausschlussdiagnostik der Aufmerksamkeitsstörung eingestellt.
Wir erarbeiten eine umfassende Anamnese, führen Leistungs-, Konzentrations- und emotionale Tests durch und erheben die relevanten Symptome.
Bei Bedarf verweisen wir natürlich an Fachärzt/-innen und Spezialist/-innen zur Ausschlussdiagnostik.
Hinsichtlich der Behandlung einer Aufmerksamkeitsstörung können wir darüber hinaus die Elternarbeit und auch Teile der kognitiven Förderung über einen begrenzten Zeitraum übernehmen.
Des Weiteren sind wir konzeptionell - in Abhebung von dem Profil einer psychiatrischen oder psychotherapeutischen Praxis - in besonderer Weise in der Lage, Vernetzungen herzustellen und die notwendigen koordinativen Aufgaben bei der Vermittlung in Diagnostik und in eine Behandlung zu übernehmen.
Wir werden die im November 2000 mit einem Vortrag zum Thema angestoßene Öffentlichkeitsarbeit, der eine überaus positive Resonanz hatte, in 2001 mit Angeboten zur Schulung von Lehrer/-innen fortsetzen.
Zu beklagen und von uns nicht zu beheben bleibt dagegen die Mangelversorgung bei Störungen von einer Ausprägung, die im oben beschriebenen Sinne kurative Maßnahmen notwendig machen.
Die notwendigen Weiterverweisung können hier nur ortsfern und mit zu erwartenden langen Wartezeiten erfolgen.
Erziehungs- und Familienberatungsstelle Wuppertal
e-mail: Erziehungsberatung@caritas-wuppertal.de

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