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Online-Beratung im Bistum Essen

Beratungsstellen für Eltern, Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene


Schreibben ist schwehr



Zwei Kinder
Ein Beitrag der Erziehungsberatungsstelle Wuppertal

Wir beschäftigten uns wegen starker Nachfrage häufig mit Kindern, die in der Schule auffielen, da sie große Schwierigkeiten beim Erwerb der sogenannte Kulturtechniken zeigten. Diese Kinder konnten, obwohl sie häufig schon im dritten, vierten Schuljahr waren, nur mit großer Mühe lesen und mit vielen orthographischen Fehlern schreiben.

Häufig hatten die Eltern die Hoffnung, dass die Lese- und Rechtschreibprobleme der Kinder sich "auswachsen" würden. Diese Sichtweise kann für die Kinder weitreichende negative Folgen haben.

Liegen Lese- und / oder Rechtschreibschwächen bei einem Kind vor, so sollte in seinem Interesse schon im zweiten Schuljahr abgeklärt werden, welche Gründe hierfür verantwortlich sind. Folgende Erklärungen können hauptsächlich eine Rolle spielen: Das Kind erhält eine unzureichende Förderung, es weist eine allgemeine Lernschwäche auf oder leidet bei durchschnittlicher allgemeiner Begabung an einer umschriebenen Lese-Rechtschreibstörung, die allgemein als Legasthenie bekannt ist.

Stellen Eltern ein Kind mit den angeführten Schwierigkeiten in unserer Beratungsstelle vor, klären wir in einem ersten anamnestischen Gespräch mit der Bezugsperson des Kindes die Entwicklungsgeschichte des Kindes sowie die Bedingungen, unter denen es lebt, ab. Ergeben sich Hinweise auf eine Seh- oder Hörschwäche bzw. neurologische Auffälligkeiten, bitten wir die Eltern um eine medizinische Abklärung. Dann führen wir in der weiteren diagnostischen Untersuchung einen allgemeinen Intelligenztest sowie einen Lese- und Rechtschreibtest durch. Weist das Kind grob- bzw. feinmotorische Auffälligkeiten auf, klären wir mit einem entsprechenden Motoriktest seinen Förderbedarf. Im Anschluss gewichten wir die gewonnenen Informationen und leiten daraus die Diagnose ab. Mit den Eltern und häufig auch mit den Lehrer-/innen zusammen überlegen wir, wie dem Kind geholfen werden kann.

Liegt eine Legasthenie vor, so zeigt das Kind bei durchschnittlicher Intelligenz Lese- bzw. Rechtschreibleistungen, die erwartungswidrig im deutlich unterdurchschnittlichen Bereich liegen, wobei Seh- oder Hörschwächen und neurologische Ursachen als Erklärung ausgeschlossen worden sind und auch keine über das Problem hinausgehende emotionale Beeinträchtigung als Erklärung herangezogen werden konnte.

Kinder mit einer Lese-Rechtschreibstörung zeigen folgende Auffälligkeiten:

Das Störungsbild des Lesens

Mögliche Schwierigkeiten zu Beginn des Lese-Lern-prozesses:
PfeilSchwierigkeiten, das Alphabet aufzusagen, Buchstaben korrekt zu benennen,
PfeilSchwierigkeit trotz normaler Hörfähigkeit Laute akustisch zu unterscheiden und den entsprechenden Buchstabenzeichen zuzuordnen,
Pfeilein einmal richtig gelesenes Wort wird bei seinem nächsten Erscheinen falsch gelesen, dann u.U. wieder richtig oder in einer anderen Form fehlerhaft.

Schwierigkeiten im späteren Leselernstadium:
PfeilAuslassen, Ersetzen, Verdrehungen oder Hinzufügungen von Worten, niedrige Lesegeschwindigkeit,
PfeilStartschwierigkeiten beim Vorlesen, langes Zögern oder Verlieren der Zeile im Text, ungenaue Wiedergabe, Vertauschen von Wörtern im Satz oder von Buchstaben in den Wörtern,
PfeilUnfähigkeit, Gelesenes wiederzugeben, Unfähigkeit, aus Gelesenem Schlüsse zu ziehen oder Zusammenhänge zu sehen.

Das Störungsbild der Rechtschreibung
PfeilVerdrehungen, Auslassungen, Einfügungen, Umstellungen von Buchstaben im Wort,
PfeilRegel- und Dehnungsfehler,
PfeilFehlerinkonstanz: ein- und dasselbe Wort wird in schweren Fällen auch nach jahrelangem Üben unterschiedlich geschrieben.

In den allermeisten Fällen sind die Fortschritte im Lesen deutlicher, während die Rechtschreibstörungen überwiegend bis in die Jugend und auch in das Erwachsenenalter hinein andauern.

Bei Kindern mit Lese-Rechtschreibschwierigkeiten erscheint die Speicherung der Buchstabenabfolge durchgehend beeinträchtigt. Auch erscheint die Geschwindigkeit des Zugriffs auf die Buchstabenabfolge reduziert. Die Wahrnehmungs- und Beurteilungsprozesse des betroffenen Kindes können als intakt angesehen werden. Die mangelnde Speicherung der Buchstabenabfolge von Wörtern hat Probleme der betroffenen Kinder mit der automatischen, direkten Worterkennung und der korrekten Schreibung zur Folge.

Fördermaßnahmen

Hilfe im schulischen Bereich: Empfehlung der Kultusministerkonferenz vom 19.07.1991:
PfeilSchüler-/innen mit einer diagnostizierten umschriebenen Lese-Rechtschreibschwäche haben einen Anspruch auf eine besondere Förderung in der Schule, z.B. durch Förderkurse;
PfeilEntscheidungen über die Nicht-Versetzung, Sonderschuleinweisung oder hinsichtlich des Übergangs in eine weiterführende Schule sollten nicht von der Rechtschreibleistung abhängig gemacht werden;
PfeilRechtschreibfehler sollten nicht in die Notenbewertung schriftlicher Arbeiten einfließen, die die Rechschreibfähigkeit nicht überprüfen.

Hilfe im außerschulischen Bereich

Grundsätzlich ist zuerst einmal festzuhalten, dass weder die Eltern in der Erziehung versagt haben noch dass das Kind ein Dummkopf ist, wenn es diese Schwierigkeiten zeigt. Die tägliche Übungssituation sollte nicht länger als 20 Minuten dauern und in einer wohlwollenden Atmosphäre stattfinden. Hierzu können die Eltern Professionelle beauftragen, was auf Dauer gesehen sehr kostenaufwändig ist, da ein Übungszeitraum von mindestens 2 Jahren realistisch ist. In Einzelfällen geschieht eine Kostenübernahme durch die Stadt (nach § 35 a BSHG, einkommensunabhängig, nach §§ 11 u. 12 BSHG einkommensabhängig). Nach unserer Erfahrung ist es in letzter Zeit aufgrund der angespannten Haushaltslage der Stadt sehr schwierig, diese finanzielle Unterstützung zu erhalten. Somit werden die Eltern im Regelfall selbst mit den Kindern üben müssen. Wie wir aus vielen Schilderungen wissen, ist diese Tatsache sowohl für Kinder als auch für Eltern, meistens sind es die Mütter, häufig ein Martyrium. Die Bezugsperson sollte darauf achten, dass sie auch positive Aktivitäten mit dem betroffenen Kind unternimmt und das Kind ausreichend für seine Anstrengungen belohnt. Leider ist es eine Tatsache, dass Kinder mit Lese- Rechtschreibschwäche sich durch regelmäßiges Üben zwar in ihren Leistungen verbessern können, im Vergleich zu Kindern ihrer Altersnorm aber mit großer Wahrscheinlichkeit schlechter abschneiden werden. Eltern und Kind müssen sich somit auf individuelle Leistungsverbesserungen konzentrieren, diese loben und positiv hervorheben, um Frustrationen vorzubeugen, dass trotz vielem Üben vielleicht doch nur eine 4- im Diktat geschrieben wird.

In unserer Beratungsstelle geben wir den Eltern Empfehlungen wie sie mit den Kindern üben können und welche Materialien sie dazu verwenden sollten. Leider können wir aus Gründen der Personalknappheit keine entsprechenden Trainingsmaßnahmen für Kinder durchführen.

Erziehungs- und Familienberatungsstelle Wuppertal
e-mail: Erziehungsberatung@caritas-wuppertal.de



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