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Beratungsstellen für Eltern, Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene


Schule: Kein Bock. Und jetzt?



Junge
von Friedel Beckmann, Diplom-Psychologe, Düsseldorf

Markus weigert sich, weiter zur Schule zu gehen. "Die hacken auf mit rum, machen sich über mich lustig." Beate überlegt, die Schule "zu schmeißen". Sie möchte lieber "was Praktisches" machen. Martin ist 14 und wird morgens um 11 Uhr in einem Kaufhaus beim Klauen erwischt: CDs. Es stellt sich heraus: Martin war seit Tagen nicht im Unterricht. Ahmed streitet sich oft mit seinen Eltern über die richtige Lebensform und ist davon ziemlich gestresst.. Luisa will nicht mehr zur Berufsschule. Sie ist zwar lernwillig, spricht aber noch nicht so gut deutsch.

Markus, Beate, Martin, Luisa, Ahmed und Sylvia sind ziemlich verschieden, haben aber eins gemeinsam: "Kein Bock auf Schule." Dieser "klassische" Anmeldungsgrund in der Jugendberatung ist gleichzeitig auch ein zeitloses Thema. Doch was aus dem Abstand heraus gerne mit einem milden Lächeln kommentiert wird, das ist beim ersten Beratungsgespräch nicht immer lustig. Eltern sind in Sorge, ängstigen sich um die Zukunft ihrer Kinder, Lehrer sind gestresst, Jugendliche verunsichert oder einfach nur "genervt". Die Debatte um die Pisa-Studie hat bewirkt, dass der Stellenwert der Schule für die spätere Berufstätigkeit wieder verstärkt in den Blick kommt. Im Gespräch gilt es herauszufinden: Was hat der Jugendliche, was haben andere bereits unternommen? Wie ist das Verhältnis zu den Eltern, zur Klasse, zu den Lehrern? Droht eine gefährliche Entwicklung? Wie geht es dem Jugendlichen sonst im Leben? Gibt es Alternativen zur Regelschule (Schulen für Erziehungshilfe oder sogenannte Werkstatt-Projekte)?
Je nach Notwendigkeit beziehen die Mitarbeiter der Jugendberatung das Umfeld ein, sprechen mit den Lehrern, manchmal ist es auch angezeigt, mit der ganzen Klasse zu arbeiten. Es müssen Lösungen gefunden werden, bei denen Jugendliche sich selber als "wirksam" erleben. Die "Null Bock-Mentalität" ist oftmals auch ein Ausdruck davon, dass Jugendliche sich selber in der Schule, im Eltrenhaus und im Freundeskreis als unwirksam erleben.

Markus brauchte letztlich nur die Ermutigung eines Gesprächs zusammen mit der Mutter. Klaus, ein Junge in ähnlicher Situation, benötigte fast ein Jahr, um sich gegenüber seinen Mitschülern zur Wehr zu setzen.

Beate suchte sich eine Ausbildung, die Eltern, die ganz andere Vorstellungen hatten, akzeptierten schließlich diese Wahl. Martin, dessen allein erziehende Mutter in einer längeren Krise war, ging in ein Heim.

Die Familie von Ahmed suchte das Gespräch über die unterschiedlichen Lebensvorstellungen von Eltern und Jugendlichen in Familien ausländischer Herkunft. Schnell wird deutlich, dass in der Familie und der Schule verschiedene Kulturen überbrückt werden müssen. Der Berater versucht Verständnis für beide Seiten zu wecken und zu klären, wie andere Jugendliche in der Schule auf Ahmed reagieren. Was kann man gemeinsam tun, damit Ahmed in der Schule und im Elternhaus klarkommt?

Bei Luisa war schnell klar: Es gab auch Spannungen. Zwischen ihr, ihrer Mutter und ihrem Stiefvater, der darauf beharrte, dass er das Recht habe, sie zu prügeln, gab es keine Verständigungsmöglichkeit. Sie zog aus, schaffte es, sich zu stabilisieren. In einer Kombination aus Einzel- und Gruppentherapie nutzte sie die Möglichkeit, über die Belastungen zu sprechen und die Auswirkungen auf sich zu erkennen und langsam abzubauen.

Fachleute und Eltern befürchten, dass das regelmäßige Schuleschwänzen eine Gefahr für den Lebensweg der Jugendlichen darstellt. Dauerschwänzer verlassen die Schule meist mit einem schlechten oder gar keinem qualifizierten Abschluss - es droht in Folge der Weg ins gesellschaftliche Abseits und in eine wirtschaftliche Unselbständigkeit. Ein Jugendlicher bringt dies in einem Artikel im Kölner Stadtanzeiger am 28.4.2003 wie folgt zum Ausdruck: "Wenn Du schwänzt, kriegst Du Scheißnoten, einen Scheißabschluss, einen Scheißjob, ein Scheißleben. Das muss nicht sein."

Die Aufgeschlossenheit der Schulen, mit den Jugend- und Erziehungsberatungsstellen zusammenzuarbeiten, fördert eine Lösung vieler Schulschwierigkeiten. Dies und die vielfältigen Kontakte mit den Schulen sowie die präventiven Angebote dort ermöglichen es oft, krisenhafte Entwicklungen bei Jugendlichen im Ansatz zu erkennen und zu lösen. Es ist auf jeden Fall hilfreich darüber zu sprechen, welche eigenen Lebensperspektiven Jugendliche entwickeln und was die "Kraft zum Leben" gibt. Vielleicht wird dann aus "Null-Bock" ein interessantes und vielfältiges Leben.

Friedel Beckmann, Diplom-Psychologe, Düsseldorf
E-Mail: Jugendberatung@skfm-duesseldorf.de



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