|
|
Selbstwertentwicklung und Gewaltprävention
 (Vortrag von Dipl.-Psych. Walter Dreser, Erziehungsberatungsstelle des Caritasverbandes in Erftstadt, gehalten auf der Tagung "erftprävent 2002" am 13.03.2002 in Bergheim)
Auch mit dem Selbstwert eines Referenten ist es so eine Sache. Wird man gefragt, ein Referat zu übernehmen, so schmeichelt dies einem und lässt das Selbstwertgefühl steigen. Ich hatte die Idee, es sei reizvoll, Gedanken zu diesem Thema zu sortieren, zusammen zu stellen und vorzutragen. Mit dem Näherrücken des Termins stieg auch die Unsicherheit, was soll ich denn aus der Vielzahl dessen, was gesagt werden könnte zu diesem Thema, auswählen. Selbstzweifel kamen, ob es mir gelingen wird, etwas Anregendes zu sagen vor einem sicherlich schon gut informierten Publikum. Nach teilweise frustrierendem Ringen mit der Stofffülle, ersten Formulierungsversuchen, vorsichtigem Einholen ermunternder und kritischer Kommentare von Kollegen stehe ich nun hier vorne, halbwegs versöhnt mit meinen Bemühungen, und bin neugierig, ob es mir gelingen wird, einen interessanten Mosaikstein für einen hoffentlich anregenden Tag beizusteuern.
Damit sind wir schon bei einem Begriff des Themas, nämlich dem Stichwort Selbstwert. Darunter verstehe ich, wie ich eben auch beschrieben habe, ein erfahrungsabhängiges Erleben, bestimmt durch Gefühle, Gedanken, Bewertungen zur eigenen Person mit ihren Möglichkeiten und Grenzen. Dabei handelt es sich aber nicht, auch das wurde deutlich, um etwas Statisches, einmal Festgelegtes, sondern um einen Prozess. Dieser Prozess ist abhängig von Umständen und vor allem auch Interaktionen: Inneren Dialogen (Ich rede zu mir selber; sicher kennen auch Sie Phasen der Selbstkritik und -ermunterung, Zweifel oder Stolz) aber zentral auch immer wieder von den Dialogen mit anderen Menschen. Schön ist, wenn sich dann mit der Zeit eine relative Sicherheit, ein relativ stabiles Selbstbewusstsein einstellt, Anforderungen gewachsen zu sein. Schwierig ist es, wenn dieses Selbstbewusstsein immer wieder bedroht erscheint.
Wenn Sie mich als therapeutisch ausgebildeten Psychologen, der in einer Erziehungsberatungsstelle arbeitet, eingeladen haben, so gehe ich einmal davon aus, dass Sie interessiert sind an der Erlebensseite der Thematik Selbstwertentwicklung und Gewaltprävention. Einige zentrale Aspekte der Entwicklung dieses Erlebens und daraus abzuleitende Bezüge und Anregungen zu konkretem Handeln in der Gewaltprävention sollen also mein Thema sein.
Wenn ich im Folgenden einige Grundgedanken aus der Forschung zur Entwicklung des kindlichen Selbst und des Selbstwertgefühls aufführe, wie sie u.a. mit den Namen Heinz Kohut oder David Stern verbunden sind, so verzichte ich auf eine ausführliche Darstellung der theoretischen Hintergründe. Dies würde den Rahmen sprengen. Ich wähle bei der Darstellung ganz bewusst Formulierungen, die es ermöglichen sollen, zu verstehen, dass das, was in der frühen kindlichen Entwicklung eine Rolle spielte, nicht nur ein Damals in der Vergangenheit in einer sehr wichtigen und besonders sensiblen Phase ist, sondern etwas, das sich auch in der Arbeit mit älteren Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen in deren Erleben widerspiegelt und uns sensibel machen kann, für das, was Not tut in der Begegnung mit Menschen, die mehr oder minder gefährdet sind, ihr Problem mit dem Thema Gewalt zu haben. Unter Gewalt will ich hier, auch unter Verzicht auf längere Ausführungen, ein schädigendes Verhalten verstehen, das andere körperlich oder psychisch verletzt, sie gravierend in ihrer eigenen Entfaltung beschränkt, was wiederum sowohl äußerlicher Zwang als auch innen erlebter psychischer Druck durch Einschüchterung u.ä. sein kann.
Fortfahren möchte ich mit einem Zitat, einem sehr einfach klingenden Satz des von mir sehr geschätzten Prof. Zauner: "Erziehung ist die Kunst, einfühlsam zu frustrieren." Das muss man einmal nachschmecken. Da ist die Rede von Kunst und das ist etwas Gestalterisches, jenseits von einfachen Unterscheidungen von "richtig und falsch", etwas sehr Persönliches, etwas sehr Kreatives. Und es ist in diesem Zitat von einer Kunst der Balance die Rede, einerseits einfühlsam zu sein, genau wahrzunehmen, was geht in dem Kind, in meinem Gegenüber vor, was sind seine Eigenarten, was sind seine Möglichkeiten, was sind seine Grenzen, wo überfordere ich es, wo muss ich es evtl. auch stärker fordern. Aber es gilt eben auch, ein Anwalt der Realität zu sein, dass nicht all die unermesslichen Wünsche und Ansprüche, die wir alle auch an das Leben haben, zu verwirklichen sind, dass es nötig ist, die Frustration zu setzen durch das Nichtmögliche, das Nichterreichbare, das Entgegensetzen des eigenen Willens im Vertrauen, dass auch das eine wichtige Orientierung, ein wichtiger Halt ist. Gerade letzteres fällt, so ist unsere Beobachtung in der Beratungsarbeit, heutigen Eltern sehr schwer angesichts oft unüberblickbarer Möglichkeiten und in Sorge, es sich mit den tatsächlich in den kleineren Familien auch rarer gewordenen Kindern zu verscherzen.
Das Grundgefühl kindlichen Selbstwertes ist aber genau abhängig von dieser Balance von Sicherheit und Zuverlässigkeit der elterlicher Zuwendung und des Einübens von Grenzen durch ertragbare Enttäuschungserfahrungen. D. h. konkret, die Entwicklung des kindlichen Selbstwertgefühls braucht das Selbstbewusstsein der Eltern, die sich als kompetent erleben, dieses kleine schutzbedürftige Wesen willkommen zu heißen, es zu halten, seine grundlegenden Bedürfnisse zu erfüllen und ihm auch zumuten (man achte hier auf den Wortteil Mut), ihm mit ihren Begrenztheiten (etwas sehr menschliches: wir alle sind – Gott sei Dank - unvollkommen) und mit aktiven Grenzsetzungen zu begegnen. Grenzsetzungen, die selbstverständlich fürsorgliche Anteile enthalten sollen (Gesundheit, Straßenverkehr,..) aber auch eben im gesunden Sinne den Erziehenden selbst schützende, Respekt einfordernde Anteile enthalten müssen: Ich lasse mir nicht auf der Nase rumtanzen, ich brauche auch mal Ruhe,... usw. Es geht also um das Einüben im Umgang mit Frustrationen. Auch das darf unvollkommen, kritikwürdig sein. Hieran kann sich gerade dann auch jugendliche Weltverbesserungshaltung reiben, auflehnen und als kompetent erweisen.
Eine der Bewältigungsmechanismen, die das kindliche Erleben wählt, um mit den Enttäuschungen durch die Realität der Eltern klar zu kommen, sind eigene Größenvorstellungen. Diese können einerseits helfen, über Erfahrungen von Ohnmacht und Hilflosigkeit hinweg zu kommen. (Es tut uns gut, zu glauben, wie toll wir sind und was wir alles besser können, das hilft uns mit Ärger und Schamgefühlen klarzukommen.) Werden sie jedoch nicht durch engagiertes Ringen um das Klarkommen miteinander im Alltag "abgeschliffen", unser Medienalltag bietet hier leider zahlreiche Fluchtmöglichkeiten, so besteht die Gefahr, dass unrealistische Vorstellungen mit enormer Kränkbarkeit bereits bei scheinbar kleinen Konflikten zum Ausrasten führen. "Völlig unmotiviert schlug er auf den Mitschüler ein" heißt es dann oft. Eltern oder Lehrer sprechen bei solchen Kindern manchmal davon: "Der hat Selbstbewusstsein zuviel" Aber dies ist eine "falsche", ungeläuterte Form. Damit umzugehen, ohne gleich völlig "verschissen" zu haben, ist eine hohe Kunst.
Noch extremer können die Folgen sein, wenn erlebte Hilflosigkeit und Ohnmacht so ausgeprägt, so überfordernd ist, wie etwa bei Vernachlässigung oder bes. kränkender oder gar körperlich verletzender Erziehung. Gelingt dann nicht anderweitig tragfähiger Beziehungsaufbau, so können eigene Wunschvorstellungen bezüglich Größe ihre gefährliche Nahrung in rassistischen oder nationalsozialistischen Vorstellungen, Überidealisierungen der eigenen Nation, der eigenen Religion, der eigenen Clique und in der Abwertung des Fremden finden. Auch bei der Thematik sexueller Gewalt ist nicht selten eine Idealisierung der eigenen Bedürfnisse zu finden, die legitimiert, andere für meine Bedürfnisbefriedigung zu benutzen.
Eine ebenfalls problematische Verarbeitung liegt dann vor, wenn die Elternwelt überidealisiert wird oder umgekehrt diese versucht, krampfhaft "Idealbilder" aufrechtzuerhalten. (Vielen Elternfiguren, damit sind dann eben nicht nur Eltern, sondern auch Pädagogen u.a. gemeint, fällt es schwer, eigene Unvollkommenheiten zuzugestehen). Leistungsdruck ohne Aussicht auf Gelingen und Genügen entmutigt und fördert resignierten Rückzug oder lässt erfolgreiches Bemühen dennoch nicht genießen, denn es ist ja nie gut genug.
Damit es möglichst weder zu einer durch geringes Selbstwertgefühl geprägten reisignativen Haltung (klinisch könnte man von einer depressiven Haltung sprechen) kommt, noch aus Mangel an Selbstwertgefühl heraus Ersatzlösungen i.S. überzogener eigener Größenvorstellungen eine gefährliche Attraktion ausüben, ist es wichtig, dass es die Erfahrung gibt, dass ich durch eigene Aktivitäten zur Herstellung einer befriedigenden, zwischenmenschlichen Situation beitragen kann (es geht um die Erfahrungen von Wechselseitigkeit). Konkret kann das für den Säugling heißen, dass er erlebt, dass sein Lächeln die Mutter froh macht und dass er bei Störungen durch Schmerzen oder Hunger die Erfahrung macht, dass da jemand ist, der ihm dabei helfen kann. (Übrigens sind in der Geschichte von schwierigen Jugendlichen nicht selten solche frühen Regulierungsstörungen (Schreibabys,...) zu finden). Später brauche ich die Erfahrung, dass ich durch Nachgeben zu einer zufriedenstellenden Lösung beitragen kann, ohne mich völlig aufzugeben (Abwarten und dann miteinander spielen, Spielzeug tauschen, ...). All das sind wichtige Vorläufer von Konfliktfähigkeit! Ich stelle das deshalb so ausführlich dar, weil dieses Erleben wechselseitiger Befriedigung, von Freude am Spiel miteinander, etwas ganz Zentrales ist.
Damit dieses Spielen nicht durch permanente Rivalität, die eben auch oft mit der Angst zu unterliegen gekoppelt ist, ist es im pädagogischen Bereich ganz wichtig immer wieder Spielräume zu schaffen, in denen nicht nur die Leistung im Vordergrund steht, sondern jeder seine Chance hat. Dabei bin ich keinesfalls gegen eine Leistungsorientierung; aus gelungenen Leistungen kann sehr viel Selbstwertgefühl bezogen werden. Gefragt ist aber Differenzierung, eine Orientierung an den jeweiligen Möglichkeiten und Vielseitigkeit, wo ganz unterschiedliche Talente Platz haben. Und vor allem ist wichtig, Ausdrucksmöglichkeiten, besonders im Bereich Sprache und Kunst als Chance für das Entwickeln individueller Kommunikationskompetenz zu sehen, etwas, das mich ganz persönlich, meine Identität ausmacht.
Junge Menschen (ältere übrigens auch!) brauchen, dass ihre Fähigkeiten, zu einem gelingenden Miteinander beizutragen, ihre – um ein Fremdwort zu wählen – prosozialen Fähigkeiten gesehen werden. Interessant ist an dieser Stelle ein Befund von Herrn Döpfner von der Kinder- und Jugendpsychiatrie der Uni-Köln, dass ein besonders auffallendes Merkmal in der Entwicklungsgeschichte übermäßig aggressiver Jugendlicher das Nichtbeachtetwerden ihrer prosozialen Tendenzen war. Es ist nicht selbstverständlich, dass ich rücksichtsvoll sein kann, den Drachen meines Ärgers, meiner Wut zähmen kann, ich brauche dafür Wertschätzung.
Und auch das ist wichtig: es geht nicht in erster Linie um Harmonie. Es bedarf der Anerkennung der Konflikthaftigkeit, der Widersprüchlichkeit menschlicher Bedürfnisse. Es ist absolut notwendig, dass in diesem Entwicklungsprozess das Widerborstige, das Trotzige, das Auflehnende eine Wertschätzung erfährt, denn dies ist ein gesunder Teil menschlicher Aggression, da er dazu dient, das eigene Revier, die eigenen Bedürfnisse zu verteidigen. Erfahre ich keine Anerkennung dieser Seiten, so muss ich sie aus meinem Selbstbild als böse ausgliedern, wie es eine Zeichnung illustriert, und ich werde gefährdet sein, solche bösen Seiten in Zukunft nur als etwas Bedrohliches außerhalb von mir wahrnehmen zu können, dem ich entweder ängstlich ausweiche oder wo ich in der Folge in Angstspannung überall Gefahren wittere und leicht losschlage.
Einen besonders schwierigen Aspekt möchte ich nicht ausklammern. Die Realität ist manchmal hart und brutal. Wurde einem Kind von wichtigen Bezugspersonen, die es liebt, Gewalt angetan, bleibt ihm evtl. nur die Identifikation mit diesem Aggressor, um sich als wertvoll zu erleben und gewalttätiges Handeln kann so eine Form der Selbstwertsteigerung werden, sicher einer sehr problematische, aber manchmal für solche Menschen eine naheliegende Lösung.
Was lässt sich aus dem Gesagten für gewaltpräventives Handeln ableiten?
Zunächst dazu einige Beobachtungen aus der Beratungsarbeit:
Wenn ich an einige konkrete Erfahrungen aus meiner Beratungstätigkeit denke, so ist der Hintergrund der "Täter" (überwiegend Jungen) gekennzeichnet durch Misserfolgskarrieren, (schulisch sind sie in der Regel in einer Schule, die eher unter ihren Möglichkeiten liegt). Schwächungen und Verunsicherungen der Elternebene durch Sucht, Trennung, Migration, Fehlen des Vaters durch berufliches Überengagement, Abwertung der Partner untereinander und des Kindes oder der Kinder und eine dadurch gestörte Kommunikation hatten die Entwicklung geprägt. Die Chancen für eine gesunde Selbstwertentwicklung waren deutlich beeinträchtigt.
Gewalthandeln erschien nicht selten als eine geeignete Problemlösung, z. B. durch die Hoffnung auf eine bessere Position in der Gruppe, Bestätigung, dazu zu gehören oder Anführer zu sein, eben einer, der etwas regeln kann, zu dem man aufschaut. Eher hilflose oder zumindest schwächer erscheinende Opfer ließen sich meist schnell finden.
Gelungene Entwicklungen waren da möglich, wo es gelang, andere Formen der Selbstwertsteigerung zu finden, nicht selten sind das gelungenere Formen der Kommunikationen, zum Teil innerhalb der Familie, zum Teil mit der Freundin, zum Teil durch berufliche Erfolge. Wichtig war es, andere Formen der Spannungsregulierung zu finden, z.B. bei Stress mit der Freundin. Scheitern geschah da, wo Rückzug (das regele ich schon alleine, da möchte ich mit niemandem drüber reden u.ä.). Auseinandersetzung und Entwicklung blockierte.
Wenn ich nun nochmals auf die eingangs thematisierten Aspekte der Selbstwertentwicklung Bezug nehme, so bedeutet das konkret für Präventionsprojekte, dass es notwenig ist, dass die jungen Menschen ganzheitlich in ihrem Erleben, in dem Zusammenspiel von Fühlen, Denken und Handeln angesprochen werden. Nur ganzheitliche Lernprozesse sind stabil genug, um einen Transfer in den Alltag zu ermöglichen in dem Sinne, dass Erfahrungen von "Ich bin wer, ich kann etwas, ich werde geschätzt" immer wieder erinnert und neu erfahren werden können. Ein tragfähiges Selbstbewusstsein ist nicht das Ergebnis von Einzelerfahrungen, sondern einer langfristigen in der Regel nicht geradlinigen Entwicklung. Frustrationen gehören eben auch dazu. Interessant sind in diesem Zusammenhang die Befunde des norwegischen Gewaltpräventionsforschers Dan Olweus, dass die schulischen Präventionsprojekte am erfolgreichsten waren, bei denen eine Verbesserung des Schulklimas gelang.
Dass dazu Stichworte wie Ressourcenorientierung, Entwickeln kompensatorischer Fähigkeiten zum Ausgleich von Defiziten gehören, brauche ich in diesem Rahmen sicher nicht zu vertiefen.Dies ist nie nur individuell möglich, d. h. immer ist auch Politik gefordert, gerechte Bedingungen zu fördern. Dass gerade Exzesse rechtextremer Gewalt in den neuen Bundesländern aufgetreten sind, hängt sicherlich auch mit Gefühlen von Benachteiligung und erlebter Entsolidarisierung zusammen.
Immer wieder von Jugendlichen genannte Erfahrungen mit positiven Auswirkungen auf die Selbstwertentwicklung sind gelungene Partnerschaftsbeziehungen. Hier ist ein weites Feld, wo ich mir wünsche, dass schulische und außerschulische Jugendarbeit hier kreativ das behutsam unterstützend begleitet, was ohnehin alltäglich stattfindet, und einen selbstbewussten Umgang junger Menschen untereinander fördert, in dem Erleben von Beziehungen mit Lust und Frust Thema sein kann. Gemeint ist hier nicht ein Einmischen, denn hier brauchen junge Menschen für ihr tastendes Suchen einen notwendigen Schutzraum für gelingende Intimität, sondern dass "selbstverständlich" auch darüber geredet werden kann. Hier wäre sicher noch ein spannendes Thema, auch über unterschiedliches Erleben von jungen Frauen und Männern zu reden, aber das sprengt den Rahmen. Gelungene Partnerschaften, gelingende Sexualität, das sind sicherlich entscheidende Faktoren, um in den Familien der nächsten Generation die Bedingungen zu schaffen, die protektive Faktoren im Sinne von Gewaltprävention bedeuten.
Zum Schluss noch ein kleines provokantes Zitat, das ich manchmal in Beratungsgesprächen verwende: "Erziehung nutzt nichts, die Kinder machen einem doch alles nach".
Wir als Gesprächspartner, als Begleiter, als Autoritätspersonen sind gefragt. Wie finden wir die Balance von wertschätzender Anerkennung und mutiger Begrenzung? Wo gehen wir auf andere zu? Auf welche Zielgruppen gehen wir mit unseren Projekten zu? Wo schauen wir weg? Wie offen sind wir für das Erleben unserer eigenen destruktiven Anteile und haben den Mut, uns damit auseinander zu setzen. Wo sprechen wir über unsere Grenzen und Selbstzweifel, aber auch über unsere Werte und Orientierungen?
Wo reiben wir uns mit den Jugendlichen? Das Jugendalter ist das Alter, in dem die Rebellion auch wichtig ist, die oben genannten Widerspenstigkeiten auch ausprobiert werden müssen. Wir dürfen uns an dem Ideenreichtum der Kreativität der Jugendlichen freuen, aber wir sollten auch die Festigkeit unserer Überzeugungen haben, mit der Bescheidenheit, dass wir angesichts der Schnelligkeit unserer Zeit auch nicht wissen können, ob wir recht haben. Dies ist ein Plädoyer für eine mutige Bescheidenheit.
Und zum Schluss dann auch wieder etwas Unbescheidenes: stark wird die Diskussion im schulischen Bereich derzeit durch die Ergebnisse der Pisa-Studie bestimmt. Ich habe schon betont, dass ich in angemessenen Leistungen gerade auch die Chance von Selbstwertbestätigung sehe. Aber derjenige, der die Kriterien einer solchen Studie idealerweise erfüllt, ist immer noch der reine Denk- und Wissensspezialist. Eine vergleichbare Untersuchung, die soziale Kompetenzen, wie wir sie hier diskutieren, und deren Förderung in der Schule mit gleichem Engagement untersucht, steht noch aus.
Wenn wir, wie ich das von Kollegen, die in dem Bereich Unternehmensberatung tätig sind, höre, die Situation in Betrieben und Organisationen betrachten, so sind es aber gerade solche Kompetenzen, die für die Zukunft von Organisationen und Unternehmen einen entscheidenden Einfluss haben. Daher sollten wir auch sehr selbstbewusst die Forderung aufrecht erhalten, wie wichtig Elemente von Gewaltprävention und im positiven Sinne Förderung von Konfliktfähigkeit im heutigen Alltag sind.
Dipl.-Psych. Walter Dreser, Psychologischer Psychotherapeut, Erziehungsberatungsstelle des Caritasverbandes in Erftstadt, Schloßstr. 1 a, 50374 Erftstadt-Lechenich,
E-Mail: walter.dreser@eb-erftstadt.de

|
Zur Online-Beratung
DIE BERATUNGSSTELLEN 
|